Seniorengerechte Sitzbänke

Sitzbänke gehören mit zum gängigsten Stadtmobiliar. Und so vielfältig wie die Nutzungsbedürfnisse sind auch die Modelle. Von Senior*innen werden sie beispielsweise genutzt um sich bei Bedarf auszuruhen, auf den Bus zu warten oder mit jemandem ein paar Worte zu wechseln.

Anliegen an Herr Stolz, Stadt-grün

Ich habe ein Anliegen zu einer sehr viel benützten Sitzbank am Philosophentalweg. Diese Bank wird rege von älteren Personen benützt, da sie gut zu erreichen ist und im Sommer im Schatten er umliegenden Bäume liegt.

Wäre es evtl. möglich, hier noch Armlehnen (Eigenkonstruktion von Stadtgrün) anzubringen? Diese Verbesserung würde den Benützern sehr entgegenkommen. Ich bitte Sie, mein Anliegen zu prüfen.

Gerne benütze ich die Gelegenheit, Ihnen und dem ganzen Stadtgrün-Team für die Blumenpracht in unserer Stadt zu danken. Die wechselnden Farben von Frühling bis Herbst tragen zu einem sehr positiven «Stadtbild» bei!

Herr Stolz hat mir sofort die Montage zugesagt und zwei Tage später sind sie schon montiert! Ich habe mich bei ihm bedankt für die rasche Umsetzung!


St. Galler Tagblatt, 22.7.2019, Seraina Hess

Nicht jede Sitzgelegenheit ist eine gute Sitzgelegenheit: Das spüren vor allem ältere Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind.

Edith Guntli ist eine von gut 30 Seniorinnen und Senioren, die sich einer Mission verschrieben haben. Gemeinsam mit Pro Senectute St. Gallen halten die sogenannten Interessengruppen Alter in einzelnen Quartieren fest, welche öffentlichen Bänkli alterskonform gestaltet sind und welche nicht. Der Grund dafür: Nicht jedes Bänkli ist auch ein gutes Bänkli. Und nicht jeder Ort, der eine Sitzgelegenheit nötig hätte, wurde damit ausgestattet. Sandra Stark, Sozialarbeiterin bei Pro Senectute St. Gallen, sagte schon vor einigen Monaten gegenüber dem «Tagblatt»: «Menschen, die zu Fuss unterwegs sind, brauchen auf ihrem Weg zur Post, Migros oder Drogerie Sitzgelegenheiten zum Ausruhen.» Zumindest Betagte, die zwar noch mobil, aber eben nicht mehr ganz so fit und gelenkig sind wie die über 80-jährige Edith Guntli.

Auch auf den Winkel und die Höhe kommt es an

Gemäss Erfahrungswerten von Pro Senectute St.Gallen zählen vor allem vier Faktoren. So seien etwa Armlehnen von zentraler Bedeutung, um sich überhaupt auf dem Bänkli setzen respektive wieder erheben zu können. Auch Rückenlehnen sind nötig – allerdings sollten sie nicht niedriger als 35 Zentimeter sein. Ein idealer Winkel zwischen Rückenlehne und Sitzfläche beträgt 100 Grad. Zu tiefe Sitzflächen sind für ältere Menschen nicht geeignet, zumal sie das Absitzen und Aufstehen erschweren. Gemäss Pro Senectute sollen sie auf mindestens 45 Zentimeter Höhe liegen. Edith Guntli fügt ein fünftes Kriterium hinzu: «Die Bänke dürfen nicht auf einer Rampe stehen. Sie ist ein Hindernis für Menschen mit Rollator.»

Obschon es sich um simple Kriterien handelt, die sich ziemlich genau mit jenen des gemeinnützigen Vereins Fussverkehr Schweiz decken, gelingt es der Stadt, den SBB und den VBSG längst nicht immer, diese zu erfüllen. Oftmals ist es das Design, das dem Komfort in die Quere kommt. Das zeigt sich etwa am Hauptbahnhof, wo regelrechte Holz-Kunstwerke zu finden sind. «Durchaus hübsch und für mich auch ziemlich bequem», sagt Edith Guntli. Für weniger mobile Personen aufgrund der fehlenden Armlehnen und der nur teilweise vorhandenen Rückenlehne alles andere als ideal. Denn was für jüngere Personen nach Luxusproblem klingt, kann ältere Menschen in ihrem autonomen Leben drastisch einschränken. «Fehlt etwa ein Bänkli auf dem Weg zum Einkaufen, ist die Strecke für manche schlicht nicht mehr zu Fuss machbar», erklärt Guntli.

Stadt und VBSG zeigen sich äusserst hilfsbereit

Der Beharrlichkeit der Senioren und dem Wohlwollen der Stadt und der VBSG ist es zu verdanken, dass sich in den letzten Monaten auf Stadtgebiet einiges getan hat. Gut 30 Bänke wurden seniorengerecht umgestaltet, ersetzt oder neu platziert. «Ausserdem gab es eine generelle Sensibilisierung zum Thema», sagt Sandra Stark. Ein Beispiel mit Vorbildcharakter offenbart sich im St. Leonhard-Pärkli. Einige klassische Holzbänke wurden von Stadtgrün mit selbst angefertigten Armlehnen aufgewertet. «Simpel, aber für uns sehr wirkungsvoll», sagt Edith Guntli zufrieden.

Die Bänkli in St. Gallen im Test

Das Klassische

Die klassische Holzbank gibt es unter anderem im St.Leonhard- Pärkli. Schön gelegen, aber ohne Seitenlehnen.

Sitzkomfort:
 2/5
Armlehne: nein
Rückenlehne: ja
Barrierefrei erreichbar: ja


Das Designerstück

Die SBB liessen sich bei der Bänkli-Wahl nicht lumpen. Seniorengerecht ist das Gerüst mit USB-Anschluss nur bedingt.

Sitzkomfort: 
3/5
Armlehne: nein
Rückenlehne: jein
Barrierefrei erreichbar: ja


Die Luxusvariante

Seitenlehnen und eine überlange Sitzlehne – das alles dutzendfach auf dem vielbelebten Kornhausplatz. Mehr geht kaum.

Sitzkomfort:
 5/5
Armlehne: ja
Rückenlehne: ja
Barrierefrei erreichbar: ja


Das Puristische

Die vandalensicheren Bänke vor dem Neumarkt haben keine Rückenlehne. Die Sitzfläche besteht aus unbequemen Röhren.

Sitzkomfort: 
1/5
Armlehne: nein
Rückenlehne: nein
Barrierefrei erreichbar: ja


Das Aufgewertete

Der Klassiker im St.Leonhard-Pärkli, der von der Stadt seniorengerecht mit Armlehnen versehen wurde. Vorbildlich.

Sitzkomfort: 4/5
Armlehne: ja
Rückenlehne: ja
Barrierefrei erreichbar: ja


Das Minimalistische

Das Minimalistische

Sind das Spanplatten? Das könnte man meinen, wenn man sich an der Bushaltestelle Poststrasse setzen will.

Sitzkomfort: 2/5
Armlehne: nein
Rückenlehne: jein
Barrierefrei erreichbar: ja

Quelle: St. Galler Tagblatt vom 22.7.2019


Die Interessengruppen (IG) Alter, welche sich in verschiedenen Quartieren der Stadt St. Gallen für die Lebensqualität im direkten Wohnumfeld von Senior*innen einsetzen und von Pro Senectute begleitend moderiert werden, setzen sich nicht für irgendein Modell ein, sondern für seniorengerechte Sitzbänke. Konkret bedeutet dies, dass sie hindernisfrei zugänglich sind und zum Ausruhen über eine Rückenlehne verfügen. Die Bank benötigt zudem Armlehnen und die Sitzfläche muss ausreichend hoch sein. Ansonsten ist ein selbständiges Aufstehen beschwerlich bis unmöglich.

Am Montag, 24. Juni war eine Vertreterin der IG Alter Südost zusammen mit dem Vorstand des Seniorenrates und Mitarbeiterinnen von Pro Senectute im Stadtzentrum auf „Bänkli-Tour“. Die Devise lautet: Nicht für, sondern mit Senior*innen. In diesem Sinne ist die Einschätzung verschiedener Modelle vor Ort und direkt mit Betroffenen unabdingbar. Die genannten Interessenverbände setzen sich auch künftig gemeinsam für die Möglichkeit zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben von Menschen im hohen Alter bzw. von Menschen mit Mobilitätseinschränkungen ein. Und Sitzbänke sind dabei mitentscheidend. Sei es, um selbständig im öffentlichen Raum unterwegs zu sein und Ruhepausen einlegen zu können oder um sich auszutauschen. Denn öffentliche Sitzbänke sind wertvolle Orte für spontane Begegnungen.

Vorstand Seniorenrat mit Vertreterin der IG Alter Südost und Sandra Stark, Pro Senectute Stadt St. Gallen auf einer seniorengerechten Sitzbank.

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